Das Allen Institute for Neural Dynamics, ein Bereich des renommierten Allen Institute, ist bekannt für seine ambitionierten Projekte zur Entschlüsselung der Komplexität des Gehirns. Die Wissenschaftler dort befassen sich mit fundamentalen Fragen zur Entwicklung, Funktion und krankheitsbedingten Veränderungen des Gehirns. Um diese zu beantworten, müssen sie oft bestehende Technologien an ihre Grenzen bringen – oder sogar neue Werkzeuge entwickeln. Das ExA-SPIM-Mikroskop ist ein Paradebeispiel für diesen Innovationsgeist.
Stellen Sie sich ein optisches Objektiv vor, das von Schneider-Kreuznach mit höchster Präzision entwickelt wurde, um kleinste Fehler auf elektronischen Bauteilen in der Produktion aufzuspüren. Genau diese Hochleistungstechnologie spielt nun eine Schlüsselrolle dabei, die feinen Strukturen des Gehirns sichtbar zu machen. Beim revolutionären „ExA-SPIM“-Mikroskop ermöglicht unser Industrieobjektiv die Beobachtung von Gewebe auf Nanometerskala – und liefert bisher unerreichte Einblicke in ganze Mausgehirne.
Die Herausforderung: Das komplexe Netzwerk des Gehirns sichtbar machen
Das Gehirn ist ein unglaublich komplexes Organ. Obwohl das Gehirn einer Maus nur etwa die Größe einer Geleebohne hat, enthält es fast 80 Millionen Neuronen, die jeweils Tausende Verbindungen eingehen. Um zu verstehen, wie diese Neuronen verdrahtet sind und kommunizieren, ist eine Bildgebung mit hoher Vergrößerung und Schärfe über große Bereiche hinweg notwendig – eine große Herausforderung für klassische Mikroskopie-Beleuchtungstechniken.
Lichtblattmikroskopie (SPIM): Eine intelligentere Beleuchtungsstrategie
Konventionelle Lichtmikroskopie beleuchtet oft die gesamte Probe. Das ist zwar einfach, führt aber zu unscharfen Bildern durch außerhalb des Fokus liegendes Licht und kann empfindliche biologische Proben durch starke Fluoreszenzstrahlung schädigen.
Die Lichtblattmikroskopie – auch SPIM (Selective Plane Illumination Microscopy) genannt – bietet hier eine elegantere Lösung. Dabei beleuchtet ein dünnes Lichtblatt selektiv nur eine schmale Ebene der Probe. Das Detektionssystem des Mikroskops ist senkrecht dazu ausgerichtet und erfasst ausschließlich die angestrahlte Ebene. Durch das systematische Verschieben der Probe durch das Lichtblatt – oder umgekehrt – entstehen 2D-Bilder, die anschließend zu einem scharfen 3D-Bild zusammengesetzt werden. Dies reduziert die Lichtschädigung deutlich und sorgt für klarere Aufnahmen auch bei dickem Gewebe.
ExA-SPIM: Erweiterung als Schlüssel zur Nanometerauflösung
Das „ExA“ in ExA-SPIM steht für „Expansion-Assisted“. Die Forscher des Allen Institute nutzen eine clevere chemische Technik: die Expansion Microscopy. Dabei wird das Gehirngewebe mit einem speziellen Gel durchtränkt, das es gleichmäßig aufquellen lässt – ähnlich wie ein sorgfältig aufgeblasener Miniaturballon. Diese physikalische Vergrößerung macht selbst feinste neuronale Strukturen wie Axone, Dendriten und Synapsenkomponenten größer und damit für Lichtmikroskope besser sichtbar.
Doch die Expansion bringt auch neue Herausforderungen mit sich: Das zuvor kleine Gehirngewebe wird zu einem empfindlichen, überwiegend wasserbasierten Hydrogel. Die Bildgebung eines solch großen und fragilen Objekts erfordert hohe Auflösung – etwas, das viele konventionelle SPIM-Systeme mit Standardobjektiven nicht leisten können. Sie bieten weder das große Sichtfeld noch die nötige Arbeitsdistanz und optische Qualität.